Fachberichte


 

Vor- und Nachteile der Stieren-Haltung

 

Als möglichst verantwortungsvolle, natürliche Bergbäuerin ist es mir ganz wichtig, auch in der Tierzucht mit der Kraft der Natur zu arbeiten. Darum hatte ich mir schon seit längerer Zeit einen eigenen Stier gewünscht, den ich mir mit Einwilligung meines Mannes endlich im letzten Frühling 2018 kaufen durfte. Im letzten Sommer durfte mein «Stiär Viktor» die tägliche Sommerweide auf unserer Bergalp in seiner Kuhherde geniessen. Noch nie hatte ich in meinen fast vierzig Bergälpler-Jahren so eine harmonische Viehherde erlebt. Aber ein «Stiär isch ä Stiär» und kann ab und zu auch einen «Stiärägrind» haben! 

 

Es gilt, den richtigen, vertrauten Umgang mit diesen männlichen feinfühligen Wesen wieder zu erlernen. Ja, einen Stier zu halten braucht viel Mut und Vertrauen, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Darum wünsche ich auch vielen anderen TierhalterInnen, wieder den Mut und das Vertrauen zu erhalten, Horntiere in ihrer ganzen vollkommenen Wesensart zu halten.

 

Eure Priska Welti

 

Eine der Motivationen für meine Haltung können Sie hier schauen. Deswegen setze ich mich für Natürlichkeit bei der Tierhaltung ein. Es ist ein schlimmes Geschäft mit dem gewonnenen Blutserum von Pferden, damit bei der Tiermast die Fruchtbarkeit gesteigert werden kann.


FiBL Grundlagenbroschüre

Die Bedeutung der Hörner für die Kuh

Die Broschüre kann über Download gratis runtergeladen werden oder auf Papier für 9.- direkt bei fibl.org bestellt werden.



Die Kuh braucht ihre Hörner!

Das Heft kann über Kontakt bestellt werden und kostet 12.-



Kühe besser verstehen

Film von Martin Ott damit die Kühe besser verstanden werden.




Die Schweizer Kuh trägt von Natur aus Hörner. Über Jahrhunderte haben sich unsere Rinder und Ziegen dem Futter von artenreichen Wiesen und dem eigenwilligen Klima der wilden Alpenwelt angepasst. Aus diesen natürlichen Bedingungen haben sich horntragende Rinder- und Ziegenrassen entwickelt. Die Hörner gehören zur Vollkommenheit dieser Tiere, mit all ihren Funktionen und verleihen dem Tier Schönheit, Adel und Würde.

 

Vortrag von 2018 der Demeter-Bäuerin Susanne Schwärzler:  

zum Film  >

 


 

 

Priska Welti, Präsidentin der IG Hornkuh Uri

in der Sendung Kontrovers,

Oktober 2018 

SENDUNGSARCHIV >


Kühe leiden unter dem Enthornen ein Leben lang
Online-Ausgabe   Luzerner Zeitung    von Eva Novak 19.8.2018
Erstmals zeigt eine wissenschaftliche Studie, dass das Ausbrennen der Hörner die Schmerzempfindlichkeit eines grossen Teils der Kälber beeinflusst – ihr ganzes Leben lang.
Es gebe keine Studien, «die belegen, dass das Enthornen das Wohlergehen der Tiere unverhältnismässig beeinträchtigt»: So argumentierte der Bundesrat in seiner Botschaft zur Hornkuh-Initiative und beantragte folgerichtig, diese zur Ablehnung zu empfehlen. Doch nun, nachdem das Parlament der Regierung gefolgt ist, besagt eine wissenschaftliche Untersuchung das Gegenteil. Sie zeigt, dass Kälber nicht nur gleich nach dem Ausbrennen der Hornansätze an Schmerzen leiden, sondern noch Monate danach.
Zu diesem Befund zu kommen, war nicht so einfach – schon nur, weil Tiere nicht sprechen können. «Schmerz ist eine individuelle Empfindung, und das lässt sich nur mit Worten beschreiben», sagt Claudia Spadavecchia, Professorin für Veterinäranästhesiologie und Schmerztherapie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. Verhaltensänderungen seien bei chronischen Schmerzen nicht zu erwarten, denn Rinder seien von ihren Anlagen her Beutetiere: «Um Raubtieren nicht als leichte Beute aufzufallen, dürfen sie chronischen Schmerz nicht zeigen und versuchen, ihn zu verstecken.»
Erhöhte Empfindlichkeit auch drei Monate danach
«Was Tiere genau empfinden, können wir nur aufgrund ihrer Reaktion auf gut quantifizierbare Reize erahnen», so Spadavecchia. Dies vor Augen, bediente sich ihr Team der Uni Bern innovativer neurophysiologischer sowie physikalischer Methoden, um den gefühlten Folgen des Enthornens auf die Schliche zu kommen. Mit speziellem Laser, einem druckerzeugenden Gerät und sogenannten Von-Frey-Filamenten wurde geprüft, wie empfindlich 30 Kälber auf Druck am Kopf rund um den Hornansatz reagieren. Der erste Teil der Studie, dessen Ergebnisse im Februar dieses Jahres publiziert wurden, bezog sich auf die Zeit unmittelbar nach dem Eingriff. Danach litten in den ersten 24 Stunden nach dem Wegbrennen der Hörner praktisch alle untersuchten Kälber an Schmerzen, obwohl sie während des Eingriffs bestmöglich mit lokalen Betäubungs- und Schmerzunterdrückungsmitteln versorgt worden waren. Dies galt unabhängig davon, ob die Enthornung bereits eine Woche oder erst vier Wochen nach der Geburt vorgenommen wurde.
Brisanter ist der Befund des zweiten, noch nicht veröffentlichten Teils der Untersuchung. Erstmals überhaupt zeigte sich, dass die erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei 38 Prozent der enthornten Kälber auch drei Monate später noch anhielt. Sie empfanden schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berührung Schmerz und reagierten empfindlicher auf schmerzhafte Reize als nicht enthornte Artgenossen.
Schelbert kritisiert den Bundesrat
Was heisst das für die betroffenen Tiere? Um ihren Kopf zu schützen, sind sie etwa bei Interaktionen mit anderen Tieren eingeschränkt oder bewegen den Kopf beim Fressen durch die Gitterstäbe so wenig wie möglich, damit es ihnen nicht wehtut. Diese Strategien mussten die untersuchten Kälber ihr ganzes Leben lang anwenden. Denn das dauerte so lang wie die Studie, im Alter von drei Monaten wurden sie geschlachtet.
Wie sich die Schmerzempfindlichkeit später entwickelt, wurde bisher nicht analysiert. «Es könnte sein, dass der Prozentsatz mit der Zeit abnimmt, aber wir wissen es nicht», erklärt die Tier-Schmerztherapeutin. Sie weist auf Parallelen zu uns Menschen hin: Auch da litten nach normalen Operationen zwischen 30 und 40 Prozent der Patienten jahrelang an chronischen Schmerzen.
Einer verfolgt Spadavecchias Untersuchungen mit besonderem Interesse: Der grüne Luzerner Nationalrat Louis Schelbert hatte den Bundesrat per Motion verpflichten wollen, untersuchen zu lassen, ob Enthornen zu Phantomschmerzen führt. Zu Schmerzen also, wie sie bei Menschen mit amputierten Gliedmassen auftreten können, aber auch bei Hühnern, deren Schnabel coupiert wurde. Nachdem ihn der Bundesrat auf die laufenden Untersuchungen der Vetsuisse-Fakultät aufmerksam gemacht hatte, zog Schelbert seinen Vorstoss zurück. Inzwischen ist er selber aus dem Nationalrat zurückgetreten – und findet es «skandalös, dass die Erkenntnisse den Bundesrat und die zuständigen Bundesämter nicht interessieren».
«Die Verwaltung hätte erste Ergebnisse in die Botschaft einarbeiten können oder mit der Publikation noch ein bisschen zuwarten können – aber nichts geschah», kritisiert er.
Spätestens jetzt müssten Bundesrat und Verwaltung zugeben, dass Enthornen für viele Tiere problematisch sei, findet Schelbert. Und kommt zum Schluss: «Das Tierwohl ist schlicht nicht gefragt.» Ob sich interessierte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aus erster Hand informieren und eine eigene Meinung bilden werden können, ist mehr als fraglich. Denn die Studie ist zwar zur Publikation eingereicht. Doch es wird, wie Spadavecchia befürchtet, kaum bis zum Abstimmungssonntag reichen.
Das will die Initiative
Die Hornkuh-Initianten um Bergbauer Armin Capaul fordern, dass der Bund Tierhalter finanziell unterstützt, wenn sie ihre Kühe und Ziegen nicht enthornen. Wie viel Geld die Bauern pro Tier erhalten sollen, lässt der Initiativtext offen. Ursprünglich hatte Capaul einen Hörnerfranken gefordert: einen Franken pro Kuh und Tag. Die Kosten sollen gemäss den Initianten anderswo im Landwirtschaftsbudget eingespart werden – wo genau, ist ebenfalls offen.
Ziel der Initianten ist es, dass weniger Tiere enthornt werden. Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur
Ablehnung. Abgestimmt wird am 25. November 2018. (mjb)